Kaunertal

Das Untersuchungsgebiet liegt am Talende des Kaunertals in Tirol. Es umfasst das Einzugsgebiet des Faggenbachs mit Gepatschferner und Weißseeferner bis zur Mündung in den Gepatschstausee und besitzt eine Fläche von 62,54 km². Dabei liegt die Vergletscherung des Gebiets bei 39%. Das Gebiet weist große Höhenunterschiede zwischen dem niedrigsten Punkt, der Mündung des Faggenbachs in den Gepatschstausee 1765 m ü.M. und dem höchsten Punkt, der Weißsee Spitze 3510 m ü.M., auf. Neben der daraus resultierenden hohen Reliefenergie (1745 m) liegt auch ein großes Angebot an Feststoffherden (Moränen-, Schutt- und Schotterablagerungen) vor. Durch verschiedene Hangprozesse werden diese hangabwärts, teilweise bis zum Bett des Faggenbachs, verlagert. Dadurch besitzt der Faggenbach hohe Feststofftransport-Raten.

Blick auf den Gepatschferner, der seit 1850 um etwa 2,5 km zurückgeschmolzen ist. Die mächtigen Ufermoränenwälle (vom Bildzentrum nach links) dokumentieren die frühere Oberkante des Gleschers; seit Eisfreiwerdung werden sie durch verschiedene Prozesse abgetragen, die Sedimente bis in den Faggenbach liefern (Bild: Betz, 10.07.2015).

Das transportierte Sedimentmaterial wird zu einem Teil in verschiedenen Landformen (z.B. Schuttkegeln) im Einzugsgebiet ablagert, die als temporärer Sedimentspeicher fungieren. Desweiteren erreichen auch große Mengen die Mündung des Faggenbachs in den Gepatschstausee. Grobe Schätzungen gehen von ca. 12 400 m³ Geschiebefracht aus, welche jährlich im Stausee abgelagert wird. Durch eine Absenkung des Seespiegels um durchschnittlich 40 m durch den Betreiber vor Beginn der Schneeschmelze ist die Deltaschüttung des Faggenbachs für Scanaufnahmen zugänglich. Dadurch lassen sich die jährlichen Ablagerungen im See hochaufgelöst vermessen.

Neben den guten naturräumlichen Voraussetzungen für unser Forschungsprojekt ist das Gebiet auch infrastrukturell gut erschlossen. Eine Teerstraße reicht bis auf 2750 m ü.M., wodurch das Gebiet auch mit schweren Instrumenten und Geräten zu erreichen ist. Zudem werden durch den Betreiber des Stausees Klimadaten (Temperatur, Niederschlag und Schneehöhe) im gesamten Gebiet erhoben, auf die zurückgegriffen werden kann. Für Langzeitbeobachtungen der Veränderungen des Gletschers und der Landschaft stehen Luftbilder der letzten 50 Jahre zur Verfügung.