Rettung für die Alpen: Jetzt auf National Geographic

Seit der TV Premiere am 20.09.2021 ist die Dokumentation „Rettung für die Alpen – Unterwegs mit Felix Neureuther“ auf den Kanälen von National Geographic zu sehen. Im Gespräch mit vielen Expertinnen und Experten wird der Klimawandel im Alpenraum beleuchtet und aufgezeigt, welche Folgen er für die Naturräume im Hochgebirge hat. Im Rahmen der Dreharbeiten war Felix Neureuther auch an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zu Gast. Florian Haas und sein Team stellten dabei die Forschungsaktivitäten der SEHAG Forschungsgruppe vor und zeigten, wie sich anhand historischer Karten und Photographien Veränderungen in den hochalpinen Geosystemen Ableiten lassen.

Ein Ausschnitt aus der Dokumentation, in dem Felix Neureuther zu Gast in Eichstätt ist, kann HIER auf dem Youtube-Kanal von National Geographic Deutschland angesehen werden.

Erneute ALS Befliegung der Untersuchungstäler

Das luftgestützte Laserscanning (ALS – Airborne Laserscanning) ist ein Verfahren, bei dem die Erdoberfläche aus der Luft mit einem Laserstrahl abgetastet und das reflektierte Signal aufgezeichnet wird. Aus dieser gewonnen Punktwolke lässt sich die Erdoberfläche mit sehr hoher Genauigkeit in 3D darstellen. Anhand dieser Daten können die Forschenden in SEHAG Veränderungen in der Landschaft feststellen, indem diese Modelle mit älteren Modellen verglichen werden. Das kann die Gletscherschmelze, das Auslösen von Muren oder das Baumwachstum sein. Vom 22.09.2021 bis zum 24.9.2021 wurden alle drei Täler des SEHAG-Projekts beflogen und erfasst. Die Flugdauer belief sich auf ca. 6-7 Stunden pro Tal. Die Täler wurden systematisch abgeflogen, so dass ein flächendeckend guter Datensatz erhoben werden konnte.

Vor dem Abflug werden alle technischen Geräte, wie z.B. der mobile Laserscanner, überprüft (Foto Anton Brandl).
Die Daten werden in Echtzeit erfasst (Foto Anton Brandl).
Der Gepatschferner im Kaunertal vom Helikopter aus (Foto Anton Brandl).

SEHAG meets Tourismusverband Ötztal

Am 30. Juni 2021 besuchten sechs Mitarbeiterinnen des Tourismusverbandes Ötztal das Grastal (Horlachtal). Vor Ort trafen trafen sie sich mit zwei MitarbeiterInnen des Forschungsprojektes SEHAG: Katharina Ramskogler (Universität Innsbruck) und Jakob Rom (KU Eichstätt-Ingolstadt). Diese konnten den interessierten Fachkräften des Tourismusverbandes die zentralen Punkte des Forschungsprojektes aufzeigen. Anhand von Anschauungsmaterial und den naturräumlichen Gegebenheiten des Grastales konnte auf laufende Forschungsarbeiten und erste Ergebnisse verwiesen werden. Die anschließende angeregte Diskussion über die spürbaren Veränderungen der Hochgebirge im Zuge des Klimawandels war für alle Beteiligten sehr aufschlussreich.

Wir freuen uns über die weitere gute Zusammenarbeit mit den Tourismusverband Ötztal!

SEHAG begrüßt Felix Neureuther

Im Rahmen der Dreharbeiten einer National Geographic TV Dokumentation um Felix Neureuther und dessen Interesse an alpinen Landschaftsveränderungen kam es unter anderem auch zu einem wissenschaftlichen Austausch zwischen dem SEHAG-Team und dem früheren Ski-Rennläufer. Hierbei ging es vor allem um die wissenschaftliche Verwendung und Bearbeitung historischer Fotographien, welche durch das SEHAG-Projekt ausgewertet werden. Durch den Vergleich dieser Fotos mit aktuellen Geländeaufnahmen konnten die Veränderungen der alpinen Landschaften während der Dreharbeiten eindrucksvoll gezeigt werden. Felix Neureuthers Interesse über diese aktuellen Forschungsergebnisse ist hoch, da die Alpen wie er sagt sein zweites Zuhause sind. Zudem hat sein Ur-Ur-Großvater Mitte des 19. Jahrhunderts als Glaziologe unter anderem dafür gesorgt, dass erste Zeichnungen alpiner Landschaften entstanden sind.

Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Dreharbeiten mit Felix Neureuther und dem SEHAG Wissenschaftler PD Dr. Florian Haas.

Veränderung der Blockgletscher im Kaunertal seit 1953

Nicht nur Gletscher schmelzen als Folge des Klimawandels auch Blockgletscher, ein sich hangabwärts bewegendes Gemisch aus Schutt und Eis, verändern sich. Daher wurde im Kaunertal für ausgewählte Blockgletscher die Veränderung der Fließgeschwindigkeiten bis 1953 zurück bestimmt. Auf den untersuchten Blockgletschern betragen die maximal gemessenen Fließgeschwindigkeiten zwar nur ca. 1,5 m pro Jahr, jedoch konnte ein Anstieg der Fließgeschwindigkeiten, vor allem seit 1997, festgestellt werden. Auch die Volumenveränderung der Blockgletscher wurde bestimmt. Dabei zeigt sich, dass diese im Untersuchungszeitraum einen Volumenverlust aufweisen. Dies ist neben einer möglichen Verdichtung des Materials, vor allem auf das Ausschmelzen des enthaltenen Eises zurückzuführen. Die Beschleunigung und der Volumenverlust der Blockgletscher können mit Veränderungen von Klimaparametern (Schnee, Niederschlag und Temperatur) in Verbindung gebracht werden. Genauere Informationen zu dieser Untersuchung können in einem Artikel, der im Journal „The Cryosphere Discuss“ als Preprint veröffentlicht ist, nachgelesen werden (Link).  

Abbildung 1: Blockgletscher mit darüber dargestellten Karten der Fließgeschwindigkeiten (blau – niedrig, rot – hoch) in Meter pro Jahr. Hier zeigt sich deutlich die Zunahme der Geschwindigkeiten ab dem Zeitraum 1997 – 2006.

Vegetationsaufnahmen Grastal 2020: gestörte vs. ungestörte Flächen

Im äußeren und inneren Grastal (Horlachtal, Tirol) wurden im Sommer 2020 Vegetationsaufnahmen an ungestörten und durch Murabgänge (in verschiedenen Jahren) gestörten Flächen im Anriss- und Ablagerungsbereich durchgeführt. Die Muren wurden von Jakob Rom kartiert.

Abb. 1: A) ungestörte Fläche und B) gestörte Fläche im Akkumulationsbereich äußeres Grastal. Photos: Katharina Ramskogler.

Abb. 2: A) ungestörte Fläche und B) gestörte Fläche im Akkumulationsbereich inneres Grastal. Photos: Katharina Ramskogler.

Abb. 3: A) ungestörte und B) gestörte Fläche im Anrissbereich äußeres Grastal. Photos: Katharina Ramskogler.

Abb. 4: A) ungestörte und B) gestörte Fläche im Anrissbereich inneres Grastal. Photos: Katharina Ramskogler.

Höhengradient im Gebiet Innere Ölgrube (Kaunertal) 2020

Im Kaunertal, im Bereich des Blockgletschers Innere Ölgrube wurden im Sommer 2020 Vegetationsaufnahmen von der Waldgrenze (2135 m) bis in die subnivale Sture (2730 m) durchgeführt. Gestörte und ungestörte Flächen wurden verglichen. In 10 cm Bodentiefe erfolgten Temperatur- und Wasserpotentialmessungen.

Abb. 1: Fläche für Vegetationsaufnahme oberhalb der Waldgrenze (2245 m). Photo: Katharina Ramskogler.

Abb. 2: A) ungestörte und B) morphodynamisch gestörte Fläche am oberen Ende des Transektes Innere Ölgrube. Photos: Katharina Ramskogler.

Abb. 3: Gletscher-Hahnenfuß (Ranunculus glacialis). Photo: Elias Nitz

Kommt mit uns in Kontakt

Besucher*innen haben bei der Landesgartenschau 2020, welche auf das Jahr 2021 verschoben wurde, die Gelegenheit uns Wissenschaftler*innen des Forschungsprojektes SEHAG kennen zu lernen und uns direkt Fragen zu stellen. Am 13.08.2021 werden wir zwischen 14 und 17 Uhr am KU-Pavillon auf dem Gelände der Landesgartenschau vor Ort sein. Neben theoretischen Erklärungen und Forschungsergebnissen werden wir euch zudem den Einsatz unserer Messinstrumente welche wir im Gelände einsetzen zeigen. Hierzu gehören z.B. Drohnen, Laserscanner und dGPS-Geräte.

Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Auf Grund der aktuellen Corona-Situation bitte wir darum, euch kurzfristig zu informieren ob die Landesgartenschau am 13.08.2021 geöffnet ist.

Räumliche und zeitliche Oberflächen-veränderungen in Hangbereichen des Gletschervorfelds

Die untenstehende Graphik zeigt die Oberflächendynamik der letzten 49 Jahre (1970 bis 2006 und 2006 bis 2019) von zwei Abschnitten der 1850er-Gepatschufermoräne im Kaunertal (Österreich, Tirol). Zur Rekonstruktion der Erdoberfläche wurden sowohl photogrammetrische Methoden (Höhenmodell 1970) als auch luftgestütztes Laserscanning (Höhenmodell 2006) und terrestrisches Laserscanning (Höhenmodell 2019) verwendet. Mit Hilfe eines Geoinformationssystems (GIS) und der anschließenden Interpretation eines sogenannten DoD (DEM of Difference) können die Wissenschaftler*innen die dort ablaufenden geomorphologischen Hangprozesse zeitlich rekonstruieren und die Art sowie das Ausmaß dieser Prozesse bestimmen. Zu identifizieren sind sowohl Erosionsbereiche (rot) als auch Akkumulationsbereiche (blau). Vergleicht man den ersten Zeitraum (1970-2006) mit dem zweiten Zeitraum (2006-2019) stellt man fest, dass im jährlichen Mittel sowohl das Erosionsvolumen, das Akkumulationsvolumen als auch der entsprechende Sedimenteintrag von diesen Hangbereichen in den angrenzenden Fluss abgenommen haben. Diese Erkenntnisse sind Teil einer veröffentlichen Studie im Journal Water und können hier im Detail nachvollzogen werden.

Abbildung 1. DoDs der Testgebiete in den entsprechenden zeitlichen Abschnitten mit den ermittelten morphologischen Sedimentbudgets, dem mittleren jährlichen Erosionsvolumen (rot), dem mittleren jährlichen Akkumulationsvolumen (blau) und der mittleren jährlichen resultierenden Nettobilanz (grau) (m³). Die Unsicherheiten der Nettobilanzen und des sogenannten min Level of Detection, welcher kleinere Werte aus Gründen der Unsicherheit ausschließt, wurden in den Bereichen der roten Rechtecke durchgeführt und sind in der Veröffentlichung im Detail nachvollziehbar.